Geschichte als Nutzpflanze und Medizin

Hanf wird seit Jahrtausenden als Heilmittel und Droge genutzt; die Menschen hatten also viel Zeit, mit Hanf zu experimentieren. Je nach Kultur, Einsatz und Zubereitung fanden sie so unterschiedlichste Wirkungen: Hanf wurde zur Appetitanregung konsumiert, aber auch zur Zügelung des Heisshungers; eine krampflösende Wirkung wurde Hanf ebenso zugeschrieben wie eine aufputschende.

Berauschend, beruhigend, entzündungshemmend, entgiftend, angstlösend oder halluzinogen- was ist dran an den alten Mythen?

Damit ein Stoff im Körper Wirkung entfalten kann, muss er in irgendeiner Form in den Stoffwechsel eingreifen können. Vor fast 30 Jahren wurde entdeckt, dass bestimmte Wirkstoffe des Hanfs sich an Zellen von Wirbeltieren anbinden und dort Wirkungen hervorrufen können. Man fand heraus, dass diese Anbindungsstellen speziell für diese Wirkstoffe „gemacht“ sind und forschte weiter, warum das so ist.

Schnell entdeckte man nun körpereigene Wirkstoffe, die chemisch mit einigen Inhaltsstoffen der Hanfpflanze identisch waren. Interessanterweise wurden diese körpereigenen Wirkstoffe und Anbindungsstellen nach der Hanfpflanze benannt: Hanf hat den lateinischen Namen Cannabis, die Wirkstoffe in der Pflanze heissen “Cannabinoide”. Die vom Körper gebildeten,  chemisch ähnlichen Stoffe tauften die Forscher nun “Endocannabinoide”, die Andockstellen an den Zellen nannten sie “Cannabinoid- Rezeptoren”.

“Rezeptoren” sind generell Bindungsstellen in oder auf Körpergeweben, an die bestimmte Substanzen – zum Beispiel solche, die im Blut gelöst sind-  andocken (“binden”) können. Sie haben oft eine Schalterfunktion: Sie können Stoffwechselprozesse erlauben oder verbieten. Medizinisch spricht man von Aktivierung oder Blockierung.

Die Anbindung einer dafür bestimmten Substanz an den Rezeptor kann also unterschiedliche Wirkung haben und je nach Art der Bindungsstelle eine körperliche Reaktion hervorrufen oder unterbinden.

Bietet ein Rezeptor Andockflächen für verschiedene Substanzen, wird alles komplizierter. Denn je nach Substanz, die an den Rezeptor bindet, lösen diese dann eine gleichsinnige Reaktion wie die hauptsächlich bindende aus (man nennt solche Substanzen “Agonisten”) oder sie blockieren eine Reaktion (dann werden sie “Antagonisten” genannt).

Die wichtigsten bekannten Endocannabinoid- Rezeptorenarten im menschlichen Körper sind der Cannabinoid- Rezeptor 1 (abgekürzt CNR 1 oder CB 1) und der Cannabinoid- Rezeptor 2 (abgekürzt CNR 2 oder CB 2). CB 1 befindet sich vor allem in Nervenzellen, also im Gehirn und in allen Organen, die von Nerven versorgt werden. CB 2 kommt an Nervenzellen und deren Stützgewebe, aber auch an Immun- und Knochenzellen vor. THC und CBD beeinflussen die Endocannabinoid- Rezeptoren CB 1 und CB 2 auf teils sehr unterschiedliche Art. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe weiterer Endocannabinoid- Rezeptoren, an welchen THC nicht, CBD aber sehr wohl andocken kann. Das führt zu entscheidenden Unterschieden in der Wirkung dieser beiden Hanfinhaltsstoffe, die hier näher beschrieben werden.

Die unterschiedlichen Wirkungsweisen der Hanfinhaltsstoffe THC und CBD

Die unterschiedlichen  Wirkungen, aber auch die unterschiedlichen Wirkorte von THC und CBD haben mehrere Ursachen. Zum einen spielt die Verteilung der Rezeptoren im menschlichen oder tierischen Organismus eine Rolle. Im zentralen Nervensystem, also auch zahlreich im Gehirn, finden sich Rezeptoren der Art CB 1. Die Rezeptorart CB 2 hingegen kommt an Nervenzellen und deren Stützgewebe, aber auch an Immun- und Knochenzellen vor. Verfügt ein Gewebe über CB 1 oder CB 2, so wird es auf THC oder CBD im Blut reagieren- und zwar je nach Rezeptorart ganz unterschiedlich.

Zum zweiten wirkt die psychotrope Komponente des Hanfs, das Δ9– Tetrahydrocannabiol (THC) auf die Rezeptoren gänzlich anders als Cannabidiol.  CBD „bremst“ die psychotrope Wirkung von THC sogar, und zwar auf zwei Wegen. CBD „verdünnt“ die Wirkung von freiem THC im Blut: CBD und THC konkurrieren um die Andockstellen. Wo CBD gebunden ist, kann THC nicht auch noch andocken.  Die Wirkung des THC wird also gemildert – „verdünnt“.

Ausserdem bewirkt CBD an den CB 1 etwas anderes als THC (medizinisch spricht man von modulierender Wirkung): Wenn CBD an CB 1 gebunden ist, bewirkt es eine Verminderung der Reizweiterleitung, wo THC aktivieren würde. Es „antagonisiert“ so die THC- Wirkung. Das trifft besonders für die psychischen Effekte und die Appetitsteigerung zu, die durch CBD abgeschwächt oder bei ausreichender Dosierung ganz blockiert werden.

Eine dritte Ursache für die unterschiedlichen Wirkmechanismen der Hanfinhaltsstoffe wurde erst vor einigen Jahren festgestellt: Im Gegensatz zu THC kann CBD nämlich auch an anderen Endocannabinoid- Rezeptoren andocken.  Die Erkenntnisse zur Wirkweise von CBD im menschlichen und tierischen Organismus werden so immer vielschichtiger – sie sind Gegenstand intensiver Forschungsarbeiten. Eine Auswahl zum Stand der Forschung finden Sie hier.

Wirkungen von CBD: Forschungsergebnisse

Aufschliessen der Inhaltsstoffe: Viele Wirkungen von CBD entfalten sich im nativen (rohen) Zustand nicht, denn in der Hanfpflanze liegen die Cannabinoide vor allem als Säuren vor. Diese binden an anderen Rezeptoren und haben darum ein anderes, eingeschränktes Wirkspektrum. Die CBD- Säuren werden erst durch Erwärmen zu CBD. Werden Hanfblüten beim Rauchen inhaliert, so ist das Erhitzen selbstverständlich. Will man das CBD unserer Hanfblüten aber anderweitig konsumieren, ist es von Nutzen, die rohen Bestandteile vor dem Konsum ebenfalls zu erhitzen (Backen, Bügeln, Vaporisieren…).  Unsere Öle und Tinkturen enthalten bereits umgewandeltes CBD und können gleich verwendet werden.

Schmerzmodulation:

CBD kann an vielen verschiedenen Rezeptoren andocken und  so die Schmerzwahrnehmung beeinflussen.  Die wichtigsten dieser Rezeptoren sind

Vannilloid- Rezeptoren: Diese befindet sich in den sensorischen Nervenzellen selbst und dämpfen die Schmerzempfindung direkt.

Glycin- Rezeptoren: modulieren vor allem die Empfindung chronischer, lang anhaltender Schmerzen.

Adenosinabbau: An vielen Stellen im Körper ist die Weiterleitung von Nervenimpulsen von sogenannten Neurotransmittern abhängig. Diese Botenstoffe sorgen dafür, dass die Impulse von einem Nerv zum anderen weitergeleitet werden. Damit die Nerven nicht ununterbrochen Signale senden,  braucht es aber an vielen Orten zusätzlich einen bestimmten Signalstoff, der die Neurotransmitter erst aktiv werden lässt. CBD sorgt dafür, dass dieser Signalstoff im Blut nicht abgebaut wird. Die Reizweiterleitung wird so an vielen Stellen im Körper gleichzeitig unterbunden, was allgemein entspannend und schmerzlindernd wirkt.

Angstlösung:

CBD ermöglicht es durch direkte Wirkung auf bestimmte Zellwände, dass Natrium in die Zelle einströmen kann. Das hat nicht nur krampflösende- und somit entspannende-, sondern auch angstlösende Wirkung.

Serotonin- Rezeptoren: Serotonin wird landläufig als das „Glückshormon“ bezeichnet. Unter anderem ist es für die Angstlösung im Gehirn zuständig, indem es dort an den zuständigen Rezeptoren andockt. CBD vermag an den gleichen Rezeptoren anzudocken und zu wirken wie Serotonin.

CBD senkt ausserdem den Abbau von Anandamid. Das ist ein wichtiges körpereigenes Cannabinoid, dessen Präsens und biologische Verfügbarkeit sich unter der Wirkung von CBD verlängert. Der Name Anandamid ist bezeichnend für diese Wirkkomponente des CBD: Anandamid ist die Sanskritbezeichnung für „grosses Glück“. Schon bei der Entdeckung dieses Cannabinoids war den Forschern die wohltuende Wirkung dieses Stoffes offensichtlich bekannt.

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